20. Oktober 2010

Wearing purple oder „It gets better!“

Heute ist jederfrau/man aufgerufen etwas in violett/lila zu tragen. Anlass sind eine Reihe von Selbstmorden (Freitod klingt an dieser Stelle zu euphemistisch für mich) von amerikanischen Teenagern in den vergangenen Monaten, weil sie in der Schule oder im College wegen ihrer vorhandenen oder nicht vorhandenen sexuellen Andersartigkeit gemobbt wurden. „Bullying“ heisst das auf Englisch und die Person die das macht ist ein „bully“, also das AK , das auch an Eurer Schule war und immer auf schwächeren Schülern herumgehackt hat. Ok, jeder ist wahrscheinlich mal gehänselt worden oder war nicht das beliebteste Kind in der Klasse. Manche von uns haben sogar selber mal einen Mitschüler gepiesackt (ich schliesse mich da nicht aus!). Allerdings scheint das in den USA andere Ausmasse angenommen zu haben, ansonsten kann man sich diese Selbstmorde nicht erklären. Warum ausgerechnet in dem Land das die political correctness erfunden hat? Werden die Beschwerden der Schüler nicht ernstgenommen oder können die Pädagogen und Eltern diesem Phänomen nichts entgegensetzen?

Einige Prominente haben sich des Problems angenommen und auf verschiedenen Videoportalen  Videos eingestellt unter dem Motto „It gets better!“ (Es wird besser). Die Botschaft der Videos ist, dass viele Leute eine harte Zeit in der Schule (hier High School und College) durchmachen und sie gehänselt oder gar gemobbt wurden. Man solle dies ertragen  und das es danach besser wird. Und das es auf jeden Fall nicht wert ist, sich das Leben zu nehmen. Einige der Botschaften sind eher lustig, andere wirklich herzzerreissend, wie das von dem Mitglied des Stadtrates von Fort Worth , der über seine Erfahrungen berichtet und auch erzählt, dass er selbst einen Suizidversuch hinter sich hat.

Sicher, es ist eine noble Idee. Aber ist es nicht eigentlich ein Armutszeugnis, dass alles was diesen Kinder angeboten wird ist, dass sie sich nicht so anstellen sollen und das es irgendwann besser wird? Sollten sie nicht Eltern und Lehrer in die Ärsche treten, so dass diese aktiv werden und etwas gegen diese Zustände unternehmen. Natürlich weiss ich, dass das leicht gesagt ist, aber schulden wir nicht diesen Teenagern eine möglichst unbeschwerte Jugend (die Pubertät ist ja schon an sich schlimm genug, von Identitätskrisen durch sexuelle Orientierungschwierigkeiten ganz zu schweigen...)? Sollen die „Mobber“ mit ihren Taten ungeschoren davonkommen, und daraus lernen, dass man mit einem solchen „Sozialverhalten“ am Ende auch noch gewinnt? Was für Erwachsene sollen aus diesen Sozialzombies werden?

Ich bin nur froh, dass ich mit meiner Schulzeit hauptsächlich positive Erinnerungen verbinde. Aber auch in unserer Oberstufe gab es einige dieser Menschen, die es nicht ertragen konnten, dass manche Menschen anders sind als sie selbst und deshalb meinten diese gnadenlos fertigmachen zu müssen. Gottseidank hat unsere Schulleitung genauso gnadenlos durchgegriffen, sobald sie Wind von Mobbing bekommen haben.
Ich habe heute ein lilafarbenes hoodie getragen, einfach um mir selber zu verdeutlichen, dass es immer noch viele Jugendliche gibt, die ihre Persönlichkeit nicht so stark entwickeln können, um mit der Scheisse, die dir das Leben manchmal bietet klarzukommen und deshalb keinen anderen Weg sehen, als dieses für sie so unerträgliche Leben zu beenden. Halten wir die Augen und Ohren offen, um einzuschreiten, wenn wir solche Vorgänge mitbekommen und den Tätern klarmachen, das ihr Verhalten zum Kotzen ist und es nicht an den Opfern ist dies zu ertragen.

Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass diese Videos einigen der Jugendlichen helfen diese Phase durchzustehen, und dass sie die besseren Zeiten auch wirklich erleben dürfen.

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